Gedanken und Genörgel einer alternden T****e

Bei Schwangerschaft hört der queere Spaß aber auf

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Die queer-feministische Blogosphäre versteht sich größtenteils als queer, bunt glitzernd, (post)modern, bekämpft Heternonormativität und hinterfragt das Zweigeschlechtersystem.
Trans*people? Klar, super! Und sexy sowieso. Inter*leute? Why not? Sollten endlich vom Staat anerkannt werden! Mit dem gender_gap wird auch in der Schriftsprache Platz für Menschen gemacht, die sich nicht in der männlichen oder weiblichen Wortform wiederfinden. Trans*Allies lauern also hinter jeder Ecke und zumindest in der flauschig queer-feministischen Bubble kann mensch sich sicher und respektiert fühlen.

Zumindest solange, bis das Thema Schwangerschaft aufgebracht wird. Seien es Hebammenstreiks oder Kitaplätze, Bewerbungsgespräche oder Abtreibungen die diskutiert werden – auf einmal färbt sich das fröhlich-bunte Bild schwarz-weiß. Als habe jemesch einen Schalter umgelegt geht es auf einmal nur noch um den weiblichen Körper, nur noch um Frauen. Nicht um Frauen*, nicht um FrauenLesbenTrans*(Inter*), nicht um schwangere Personen. Wo Biologismen sonst diskursiv zerlegt und zurückgewiesen wurden, werden diese beim Thema Kinder bekommen schnell wieder herbei gerufen. Wer beim größten feministischen Blog, der Mädchenmannschaft, nach „schwangere“ sucht, kann ja mal nachzählen, wie oft nach diesem Wort ein geschlechtsneutrales Substantiv oder eine Aufzählung folgt. Queer geht anders.

Mich macht es gleichermaßen traurig und wütend, wenn’s in einem Blogpost mal wieder um Kinder bekommen geht und ich schon bei den ersten Worten weiß, dass außer Frauen mal wieder keine_r erwähnt wird. Einerseits zeigt es, wie wenig die Existenz von Trans*_Inter* mitgedacht wird, was einfach schade ist. Andererseits wird durch jeden Artikel, der schwangere Leute vergisst, die keine Frauen* sind, ein System mitgetragen, in dem es diese Menschen gleich doppelt schwer haben. So wird bspw. die Existenz von Trans*männern oftmals von den Bezugspersonen und Medizinier_innen mehr oder minder akzeptiert, wenn Trans*männer sich dann aber noch „erdreisten“ schwanger zu werden/werden zu wollen, ist es vorbei mit der freundlichen Akzeptanz.

2008 gingen die Bilder von Thomas Beatie um die Welt: Er war der erste schwangere Trans*mann, der in dermaßen vielen Zeitungen und Onlineartikeln erwähnt wurde. Seine Geschichte sorgte für Unbehagen bei Menschen, die Abweichungen vom unveränderlichen Zwei-Geschlechtersystem nicht wahrhaben wollten. Eine Höhepunkt der Aufruhr war ein Artikel in der sich selbst als links verstehenden, bildungsbürgerlichen taz, der ungewollt zeigte, wie es wirklich um die Toleranz von schwangeren Trans* steht. Nicht schlimm genug, dass die taz sich wagte, das Geschlecht einer Person zur Diskussion zu stellen, einer der beiden Kommentartoren setzte geschlechtsangleichende Maßnahmen auch noch mit Körperverletzung gleich. [Triggerwarnung für den Link wegen transfeindlicher Kackscheiße galore und gewaltvoller Sprache: https://donotlink.it/Dm0Y] Für diesen Artikel bekam die Taz dann auch eine „Missbilligung“ vom Presserat, worüber auch die Mädchenmannschaft berichtete.

Jeder verdammte Blogbeitrag der nur von schwangeren Frauen ausgeht, jede feministische Zeitung, die ’ne Nummer zum Thema Schwangerschaft macht und dabei ausschließlich Frauen und Lesben erwähnt, sie alle tragen dazu bei, dass schwangere Trans*_Inter*-Personen unsichtbar und undenkbar bleiben – und bei nächster Gelegenheit ihr Geschlecht wieder in Frage gestellt bekommen. Es reicht, wirklich.
Es ist mir bewusst, dass Schwangerschaft zu recht ein großes Thema der Frauenbewegung(en) und des Feminismus war und ist. Doch kann es nicht so schwer sein, das Feld derjenigen, für die mensch kämpft, ein kleines Stückchen zu erweitern. Einfach mal statt „schwangere Frauen“ nur „Schwangere“ schreiben. Oder „schwangere Personen“, „Gebärende“, „schwangere Mütter* und Väter*“.  Queere Sprache kann so vielfältig sein, lasst sie uns nutzen.
Dankeschön.

PS: Ich selbst bin nicht schwanger, habe keine Kids und möchte auch keine Kinder. Ehrlichgesagt nerven die mich nebst ihren Bezugspersonen sehr oft. Aber es kann auch nicht angehen, dass queer-feministische Menschen das binäre Geschlechtersystem (unbewusst) dermaßen unterstützen und in solche Biologismen zurückfallen, wenn’s ums Kinderbekommen geht.

PPS: Aus gegebenem Anlass möchte ich für jene, die es beim Lesen dieses Artikels nicht gecheckt haben, nochmal betonen: Es gibt auch schwangere trans* Leute, die weder Männer noch Frauen sind… also trans* Elters. Ein Wort, dass sich auch in der Einzahl benutzen lässt :).

PPPS: Die_r Queerulant_in hat eine wunderbare Ausgabe (Nummer 8) mit Schwerpunktthema Trans* und Elternschaft! Einige Artikel sind sogar auf Englisch verfügbar. Sahnehäubchen: Es gibt die meisten Texte des Schwerpunkts sogar zum Anhören, eingesprochen von lieben Freiwilligen: http://www.queerulantin.de/?page_id=972.

Written by Grantel

September 2nd, 2012 at 9:33 pm

Posted in Allgemein

17 Responses to 'Bei Schwangerschaft hört der queere Spaß aber auf'

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  1. Du hast absolut Recht. Ich kann das nur unterstreichen; gerade hier zeigt sich einfach auch, dass selbst die älteste Feminist_In nicht alles weiß und das solche Dinge übersehen werden, denn inklusive Sprache ist ja an-sich eine Selbstverständlichkeit. Doch die meisten in der queeren Szene sind vermutlich Cisgender und übersehen das dann leider. Umso besser, dass dann interveniert wird. Dass das erst eine Transgender-Person machen muss, ist natürlich Mist, aber ich denke der queer-feministische Diskurs ist sehr offen und Dein Beitrag wird ernstgenommen werden (hoffentlich). Ich werde auf jeden Fall von nun an verstärkt darauf achten :)

    Niklas

    3 Sep 12 at 11:25

  2. Ich finde deine Kritik berechtigt. Ohne das oft nicht mitdenken von Trans* bei schwangeren Menschen entschuldigen zu wollen, denke ich jedoch, dass es in Deutschland daran liegt, dass das Bundesverfassungsgericht erst im Januar 2011 den Sterilisationszwang und Unfruchtbarkeitszwang bei Trans*-Personen als verfassungswidrig gekippt hat. Deshalb werden sich wahrscheinlich vorallem Transmänner erst nach Januar 2011 in größerem Maße zugetraut haben eine Schwangerschaft überhaupt zu erwägen. Wenn also in den nächsten Jahren weiter auch im deutschsprachigen Raum queere Trans*-Männlichkeiten, welche Kinder bekamen und bekommen, auftauchen, wird da eine Sichtbarkeit erst entstehen, die momentan eben noch nicht so sehr da ist, weil es vielleicht auch noch zu wenige Transmänner gibt, die erst nach der Transition schwanger wurden.

    Ich bin gespannt, wie sich das in den nächsten Jahren weiterentwickelt und hoffe darauf, dass mehr schwangere Transmänner in Deutschland (in den Medien) auftauchen, die so das konservative Bild von Weiblichkeit=Schwangerschaft aufbrechen. Selbstverständlich hoffe ich dann auf positive Darstellungen in den Medien, und nicht wie in dem TAZ-Artikel damals bei Beatie.

    Yara

    3 Sep 12 at 19:46

  3. hey grantel,

    vielen dank für deinen wichtigen beitrag!
    ich mache mir darüber schon seit einiger zeit gedanken, weil ich öfter mal zu reproduktiven rechten (z.B. auf der mädchenmannschaft) schreibe und es mir sprachlich manchmal extrem schwerfällt, weil sätze wie „selbstbestimmungsrechte von frauen“ schnell über die lippen kommen und ich da noch viel trans*sensibler werden muss, daher noch einmal vielen dank für deine intervention.

    mir ist auch schon aufgefallen, dass selbst wenn ich versuche, ohne identitäre verweise texte zu reproduktiven rechten, schwangerschaft und abtreibung zu schreiben, häufig einfach doch das subjekt frau reingelesen wird. als ich z.B. über den deutsch bahn fail bloggte (siehe: http://maedchenmannschaft.net/ey-deutsche-bahn-wieso-unterstuetzt-ihr-extreme-abtreibungsgegner_innen/) und die sueddeutsche ein paar o-töne für einen artikel dazu wollte, schrieb ich von „kampf für selbstbestimmungsrechte“ (oder so ähnlich) – daraus wurde im artikel dann „kampf für selbstbestimmungsrechte von frauen“ – wahrscheinlich, weil es schon so ein automatismus ist.

    daraus schlussfolgere ich, dass mensch in texten wohl doch mit identitäten hantieren muss, um diese überhaupt sichtbar zu machen. also explizit von frauen, trans* und inter zu schreiben, wenn es um themen wie schwangerschaft oder abtreibung geht. ich werde darauf in zukunft stärker achten.

    also ein drittes mal: danke :)

    Magda

    3 Sep 12 at 23:12

  4. (Leider nur ganz kurz, weil spät und Lohnarbeitszwänge:)

    Ich habe gerade mal nachgezählt bei den ersten 10 Suchergebnissen der Mädchenmannschaft zu „Schwangere“: In einem kommt das Wort doch nicht vor (Bug?), in 6 Texten wird 9x von „Schwangeren“ geschrieben, in 3 weiteren Texten und dann den Kommentaren wird 3x „schwangere Frau“ und 13x „Schwangere“ geschrieben.

    Das Problem liegt eher eine Stufe tiefer, wenn z.B. von „frischgebackenen Müttern“ die Rede ist. Da aber führt „frischgebackener Vater“ – auch mit Sternchen – die meisten Menschen vermutlich in die Irre und lässt sie an Cis-Männer denken. (Schwangere Mütter und Väter sind Menschen, die schon mindestens ein Kind haben.) Eine überzeugende und verständliche Bezeichnung habe ich noch nicht gefunden, und es daher wieder fallen gelassen. Das macht das Endergebnis natürlich leider nicht besser.

    Helga

    4 Sep 12 at 01:19

  5. Wow, danke für den Gedankeninput!
    War mir selbst noch nicht ganz klar, deshalb super Artikel!!

    Beim Missy-Gastblog schrieb „Billys Gegut“ auch was darüber, ich las es sogar, aber da dachte ich eher an einen (weiteren) Ausnahmefall.

    Tja. Dennoch: danke.

    Luna

    4 Sep 12 at 13:53

  6. @Niklas Super, dass du nun verstärkt drauf achtest. Mein erster Kommentar – und gleich einer der zeigt, dass ich nicht umsonst blogge. Hach. <3

    @Yara Sehr gute Ergänzung, lieben Dank dafür. Allerdings denke ich, dass das Bundesverfassungsgerichtsurteil einen eigenen Post verdient hätte, wenn auch nicht unbedingt auf meinem Blog. Denn es geht dabei ja eigentlich um ein, zwei gesonderte Fragen, nämlich die nach dem gesellschaftlich-rechtlichen Umgang mit Trans* und Schwangerschaft. Und natürlich auch um die Auseinandersetzung von Trans*männlichkeiten selbst mit diesem Thema.(1)
    Wenn schwangere Männer* sichtbarer würden wäre das sicherlich klasse, das hat aber m.E. mit dem Erwähnen ihrer Existenz zu tun. Wer annimmt, dass Trans-*kerle keine Kids bekommen (wollen) denkt doch einfach nur stereotyp. Und das sollte in queer-fem. Blogs doch bitte nicht die Norm (haha;)) sein. Denn solch einem Denken läge ja u.a. zugrunde, dass Trans* allein dann vorliegt, wenn trans* auch "alle OPs"(TM) und die Personenstandsänderung möchte (und entsprechend sterilisiert sein musste um die PÄ zu bekommen). Und es gibt genug Trans*n die keine/nicht alle medizinischen/juristischen Möglichkeiten ausnutzen – und trotzdem trans* sind.
    Edit: Hatte gerade nicht auf dem Schirm, dass bis vor kurzem sogar die Vornamensändeurng rückgängig gemacht wurde, wenn mehr als 300 Tage nach dieser ein Kind geboren wurde. (Es gab wohl vereinzelt Ausnahmen, aber der Regel nach war das ein weitreres Hindernis für Trans* mit Schwangerschaftswunsch.) Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob schwangere Trans* jetzt eher ihren Namen behalten dürfen – wenn sie noch mal Gutachten einreichen und vor Gericht ziehen – oder ob dieser Teil des Gesetztes komplett vom Bundesverfassungsgericht kassiert wurde. Muss dem mal nachforschen. Es gibt auf jeden Fall TMs die das geschafft haben.

    (1) Kurzexkurs: Zu meinen Anfangszeiten in zwei Trans*foren war Schwangerschaft von Trans*männlichkeiten undenkbar und wurde soweit ich mich erinnere auch nie erwähnt. Mittlerweile gibt es generell eine viel größere Variation in den verschiedenen Rollenbildern und Lebensentwürfen der Trans*menschen, die sich da rumtreiben. (Allerdings auch 'n komplett neues Moderator_innenteam und neues Forum.) Immer mehr Trans* sprechen dort offen darüber Kinder bekommen zu wollen oder bekommen zu haben, abfällige Kommentare nehmen ab und wurden verstärkt von den Mods geahndet.
    Diese Entwicklung (auch im Bezug auf Trans*selbstbilder und -identitäten generell) ist echt spannend und einige Reflexionen wert, imho.

    Profilbild von Grantel

    Grantel

    4 Sep 12 at 21:59

  7. Hallo Helga,

    du hast Recht, das Problem liegt nicht beim Wort „s/Schwangere“, sondern dabei, auf was sich dies bezieht – und wie es verstanden wird. Habe mir gerade auch mal die ersten 10 Treffer genauer angeschaut (naja, eher oberflächlich), in sieben Fällen geht es ausschließlich um Frauen, in zwei Fällen wird es nicht erwähnt oder offen gelassen, bzw. sogar so gegendert, dass auch „Nicht-Frauen“ gemeint sein könnten. (!! Hut ab, die beiden Artikel sind mir bei meiner Suche tatsächlich durch die Lappen gegangen. Hut ab für die Autor_innen. Ändert aber nichts dran, dass das leider rühmliche Ausnahmen waren.)
    Was leider die Leser_innen (und in Magdas Beispiel ’ne Zeitung) nicht davon abhielt, da trotzdem nur von Frauen auszugehen.

    Wie Magda in ihrem Kommentar schrieb‘ wäre es wohl eine Möglichkeit ab und an mit expliziten Benennungen, die nicht (oder kaum…) missverstanden/umgedeutet werden können, zu arbeiten, um ein Bewusstsein zu schaffen. Also wie Magda vorschlug: trans*, inter* und Co. direkt ansprechen. Oder mit Aufzählungen arbeiten, die von der Norm abweichen (und die leider auch schnell wieder ausschließend sein können), z.B. „schwangere Frauen und Männer“/“schwangere Väter und Mütter“. Das ist zwar schon mal etwas queerer, aber da kommen viele Menschen auch wieder nicht vor.
    Gender_gap to the rescue: Schwangere Mütter_Väter. Schwangere Menschen (ist zwar auch recht geschlechtsneutral, fällt dadurch aber bestimmt provokant genug auf).

    Übrigens hätte ich meine Kritik wirklich nicht am Beispiel der Suche nach „S/schwangere“ festmachen müssen. Wäre wahrscheinlich sinnvoller gewesen vom Kontext zu reden, in dem das Wort steht, bzw. wie es im Kontext lesbar ist. Oder zu fragen, ob sich „schwanger“ in den Texten je auf Nicht-Frauen bezieht.

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    Grantel

    5 Sep 12 at 01:07

  8. @Magda & Luna Gern geschehen :)
    Ich bin gerade schrecklich gerührt und erfreut (oh nein, wie soll ich so granteln), dass mein Post so regen Anklang fand – und ich vielleicht zu etwas mehr Trans*/Inter*-Bewusstsein beitragen konnte. Hach, es ist so toll mit Leuten zu kommunizieren, die einsichtig für Argumente sind. <3 Und erst recht,w enn diese Menschen auch noch so viele spannende Anmerkungen haben.
    [Och menno, ich merke immer wieder, wie ich selbst die Inter*-Menschen in meinen Aufzählungen und Perspektiven vergesse, weil ich sie einfach aus meiner privilegierten Position heraus nicht so oft auf'm Schirm habe.}

    Luna, hab' Dank für den Hinweis auf Billys Beiträge, die ich aus den Augen verloren hatte. Habe noch nicht alle gelesen, vermute aber mal, dass du mit der ehemaligen Annahme, es handle sich um einen Einzelfall meinst, dass er (wie auch T. Beatie) 'ne absolute Ausnahme unter den Trans*männlichkeiten sei?

    Profilbild von Grantel

    Grantel

    5 Sep 12 at 01:22

  9. Danke für den Beitrag, finde ich einen wichtigen und richtigen Denkanstoß!

    Konny

    6 Sep 12 at 18:36

  10. […] Feminismus Ein wichtiger Beitrag zur Debatte über Schwangerschaften. Auch in feministischen Kreisen trennen viele die Geschlechter nach ihrer Gebärfähigkeit. Und schließen dadurch inter- und transsexuelle und andere queere Menschen aus. Grantel wirft wichtiges Licht auf blinde Flecken. […]

  11. Toller Artikel! Danke, ich hab wieder mal was neues und wichtiges gelernt.

    Femmeinista

    11 Sep 12 at 19:32

  12. Der Grund für dieses enge Verknüpfen der Themen „Schwangerschaft“ und „Frau“ ist wohl, dass die Tatsache, dass manche Menschen schwanger werden können (und andere nicht) der wesentliche Grund dafür war/ist, dass das Konstrukt der Geschlechterdifferenz überhaupt entstand. Bei der Unterscheidung von männlich/weiblich in der patriarchalen Kultur ging es ja darum, bestimmte menschliche Tätigkeiten wie Kinder kriegen und erziehen zu entwerten und Hierarchien von Natur/Kultur oder Körper/Geist aufzustellen. Diese Hierarchien wurden Personen über ihre Definition als „weiblich“ oder „männlich“ zugewiesen.

    Antje Schrupp

    11 Sep 12 at 19:45

  13. Hallo Antje,

    ich verstehe leider nicht was das mit dem Vergessen/Ignorieren von Trans*- und Inter*Personen beim Thema Schwangerschaft zu tun hat. Magst du’s erläutern?

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    Grantel

    12 Sep 12 at 08:38

  14. Ich meinte das so, dass das Thema, das in diesen Posts verhandelt wird, möglicherweise nicht „Schwangere“ sind, sondern „schwangere Frauen“. Also dass es auch um die Bedeutung von Weiblichkeit in dem Zusammenhang geht. Dann würde es nämlich nicht ausreichen, wie du vorschlägst, einfach mal statt “schwangere Frauen” nur “Schwangere” oder „schwangere Person“ zu schreiben. Verstehst du, was ich meine? Es spricht natürlich trotzdem gar nichts dagegen, das dann auch explizit zu machen und nicht nur unter der Hand vorauszusetzen. Ganz im Gegenteil.

    Antje Schrupp

    12 Sep 12 at 18:28

  15. […] unter be­­stim­m­ten Um­­­­ständen straf­­­frei bleibt. Wie die Emma schreibt, wird Frauen* hier kein Recht, sondern eine Gnade gewährt – anhand der Bundes­tags­­­debatten kann man […]

  16. […] Flausch hier, queerer Glitzer dort? Na ja: Bei Schwangerschaft hört der queere Spaß auf, befindet Grantel angesichts des Unsicht- und Undenkbarmachens schwangerer Trans*_Inter*-Personen in […]

  17. Es ist ja nicht nur, dass nur „bio“-Frauen als Schwangere genannt werden. Es werden allüberall nur Cis-Frauen, hetero, verheiratet und der Norm entsprechend als Schwangere imaginiert. Es gibt keine Bücher, keine Blogs, keine Hilfe für Schwangere, in der nicht der Ehemann erwähnt wird. Ich bin lesbisch und kriege jedesmal das Würgen, wenn ich wieder ein neues Schwangerschaftsbuch sehe – immer wichtiger werden dort Kapitel „wie gefalle ich meinem Mann weiter“ „Wie kann ich meinem Mann weiterhin Sex bieten“ „Was muss ich in die Klinik für meinen Mann [!] mitnehmen zur Entbindung“. Meine kambodschanische Frauenärztin spricht Gottseidank nicht gut genug deutsch um meine offensichtlich vollkommen unvorhergesehene Lebensweise zu hinterfragen. Ich fürchte aber, dass es nicht auf lange Zeit gut gehen wird, meine Ärztin nicht besonders gut zu verstehen. Auch beim Thema Elterngeld, Steuern etc. gibt es nur die heilige hetero-Familie. Als Schwangere lässt „man“ es mir ja noch durchgehen, dass ich ab und zu mal wütend werde, das wird auf die Hormone geschoben. Aber dann? Ich hasse das alles.

    Bendte

    30 Apr 13 at 10:35

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